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Visitenkartengeschichte

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Kern GmbH

Material

Laser werden auch genutzt um Visitenkarten aus unkonventionellen Materialien herzustellen. In Holz, Kork oder Leder gebrannte oder aus Metall ausgeschnittene Schriftzüge und Logos sind nur einige Beispiele. Alternativ lassen sich die Inhalte in Metall gravieren oder ätzen.

Hier zeigt sich, dass Papier längst nicht das einzige Material für Visitenkarten ist. Wie schon im London des 17. Jahrhunderts können natürliche Stoffe wie Holz einen besonderen Eindruck hinterlassen. Sie sind aber sicherlich nicht für alle Situationen geeignet. Alleine die notwendige Stärke von Holz, Kork, oder Metall verhindern wohlmöglich das Einstecken in einem Visitenkartenetui. Auch Leinen oder andere Textilstoffe lassen sich nur bedingt in Etuis oder Visitenkartensammlern unterbringen. Anders sieht das bei Karten aus Kunststoff aus, die verhältnismäßig dünn sein können ohne ihre Stabilität einzubüßen. Neben kreditkartenähnlichen Varianten sind hier besonders transparente PVC-Karten beliebt.

Die Visitenkarten-CD wird wohl weiterhin nur eine Randerscheinung bleiben. Auf dieser in Visitenkartenformat gepressten CD-ROM lassen sich neben den digitalen Kontaktdaten weitere Informationen wie Produkt- oder Unternehmenspräsentationen oder Image-Filme unterbringen. Zwischen 30 und 100 MB passen auf einen solchen Datenträger. Die analogen Kontaktinformationen werden entweder direkt auf das Label gedruckt, oder sind auf der CD-Packung, bspw. einer Papphülle oder einem Cover in einem Plastik-Case zu finden.

Das Gros der Visitenkarten wird aber nach wie vor auf Karton gedruckt. Die Stärke reicht von 150 bis 300 g/m², seltener sind 350 oder gar 400 g/m². Werbeflyer im Visitenkartenformat können auch deutlich unter 150 g/m² liegen. In der Regel kommen Feinstkarton wie Diplomatenkarton oder Elfenbeinkarton zum Einsatz. Bedruckt werden, je nach Verfahren, aber auch alle anderen gestrichenen und ungestrichenen Bilderdruckpapiere, strukturierte Papiere, sowie hochwertige, handgeschöpfte Büttenpapiere. Gerade günstige Onlinedruckereien bieten meist keine so umfangreiche Palette an Bedruckstoffen an. Zum einen ist dies bedingt durch die großen Sammelformen, bei denen möglichst viele unterschiedliche Karten mit demselben Papier gedruckt werden sollen, zum anderen ist der Druck auf Feinstkarton und strukturiertes Papier anspruchsvoller als auf normalem Bilderdruckpapier.

Formate

In ihrer Anfangszeit variierten die Formate der Karten stark. Sie waren mal größer, mal kleiner als übliche Spielkarten. Die Größe war damals oft Ausdruck des eigenen Stellung innerhalb einer Gesellschaft. In Frankreich lange Zeit gebräuchlich war das 12,6 × 8 cm große „Format 30“, auch als „Format postal“ bekannt. Ein verheirateter Mann hatte generell eine größere Karte als ein unverheirateter. Damenkarten waren anfangs größer als die der Herren, was sich im Verlauf der Geschichte jedoch umkehrte.

Erste Normgrößen gab es in Deutschland zur Kaiserzeit. Bismarck selbst behielt sich das größte Format mit 12 × 8 cm vor. Visitenkarten von Männern waren damals etwa 10,5 × 6,5 cm groß, die Damen mussten sich mit kleineren 8 × 5 cm großen Karten begnügen. Nach der Kaiserzeit nahm die Größenvielfalt wieder zu, bis das Format schließlich 1940 mit einer DIN-Norm auf 10,5 × 7,4 cm festgelegt wurde. Wirklich strikt an die Norm gehalten haben sich aber letztlich nur wenige.

In den USA etablierten sich unterschiedliche Formate, je nach Träger der Karte. Besuchskarten verheirateter Frauen waren 7,3 × 5 cm groß, die unverheirateter Frauen mit 7,9  × 4,1 cm schmaler und länger. Männerkarten lagen bei 8,2 × 5,7 cm und Visitenkarten von verheirateten Paaren waren mit 8,5 × 5,7 cm ein kleines Stück breiter. Für Geschäftskarten ist dort heute eine Größe von etwa 8,9 × 5,1 cm üblich.

In Europa nähert sich das Format der Visitenkarte heute dem der Scheckkarten an. Das liegt mitunter an der Größe der für die Scheckkarten vorgesehenen Steckplätze in den Geldbörsen. Verbreitet ist daher ein Format von 8,5 × 5,5 cm. Die Ausrichtung ist durch die Steckkartenplätze in der Geldbörse bedingt weitestgehend im Querformat. Hochformatige Visitenkarten stechen darum heute immer noch aus der Masse der Karten heraus. Leichte Variationen der Größe sind im Bereich um 5 mm nach oben oder unten trotz aller Normierung immer wieder anzutreffen. Bei einer Breite von über 90 mm stößt man aber oftmals an die Grenzen von Geldbörsen, Etuis oder Visitenkartensammlern. Auch mehrseitige Klappkarten, die zwar mehr Platz für Inhalte bieten, können für solche Zwecke nur eingeschränkt geeignet sein, wenn sich die wichtigen Angaben über mehrere Seiten verteilen. Um alle Informationen lesen zu können, müssen sie erst einmal aus den Mappen oder Rotationskarteien herausgenommen werden.

Visitenkarten morgen

Die Visitenkarte gehört trotz ihres Alters noch lange nicht zum alten Eisen. In der Business-Welt ist sie nach wie vor die Eintrittskarte in eine potentielle Geschäftsbeziehung. Sie ist Image-Träger beim Erstkontakt und diese Funktion wird sie auf absehbare Zeit nicht verlieren.

Wie in der Vergangenheit passt sie sich dem Zeitgeist an, greift technologische Entwicklungen auf, besinnt sich aber auch immer wieder ihrer Wurzeln. Neue Medien werden mit den klassischen verknüpft. Über QR-Codes lassen sich Kontaktdaten oder Verweise zu Online-Angeboten auf gedruckten Karten unterbringen. Diese können mit Smartphones oder Tablets gelesen und in digitaler Form gespeichert werden. Im elektronischen vCard-Format sind diese die Informationen per Mausklick oder Tastendruck mit E-Mail-Programmen abrufbar. Mobiltelefone und servergestützte Telefonanlagen können ebenfalls auf die so hinterlegten Nummern zugreifen. Mit USB-Visitenkarten aus Papier gibt es mittlerweile eine, wenn auch noch nicht sehr günstige, Möglichkeit größere Datenmengen bei der Kontaktaufnahme mitgeben zu können. Die nächste Generation die Kontaktdaten drahtlos via RFID-Chip überträgt, steht bereits in den Startlöchern.

Die Kontaktinformationen auf der Visitenkarte können über einen QR-Code von einem Smartphone im vCard-Format gelesen und gespeichert werden. (Foto: Tobias Grunow | CC-BY-SA 2.0)
Die Kontaktinformationen auf der Visitenkarte können über einen QR-Code von einem Smartphone im vCard-Format gelesen und gespeichert werden. (Foto: Tobias Grunow | CC-BY-SA 2.0)

Die symbolische Wirkung der Visitenkarte unterlief zwar über die Jahrhunderte einen Wandel, ist im Kern aber erhalten geblieben. Sie steht für einen persönlichen und respektvollen Umgang mit seinem Gegenüber und repräsentiert den Gast auch lange nach seinem Besuch.


Dieser Expertentipp wurde erstveröffentlicht in Kern am Puls 02-2014.

Autor

Tobias Grunow
Mediengestaltung

Kern GmbH
In der Kolling 120
66450 Bexbach

Telefon +49 6826 93410-802
tobias.grunow@kerndruck.de

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